Prof. Dr. Theodor Schmitt

Musikhistorische Vortagsreihen

an der Hochschule München

Fakultät für Studium Generale
und
Interdisziplinäre Studien

 


Rückblick auf die Vortragsreihe

im Wintersemester 2019

 

Nun denke Dir ein so großes Werk, in welchem sich die ganze Welt spiegelt.

(Mahler)

 

Gustav Mahler

und die Musik des Fin de siècle

Was ist das für eine Welt, die solche Klänge als Widerbild auswirft?  (Mahler)

 

Die heute überaus populäre Musik von Gustav Mahler (1860-1911) wurde erst seit den 1960-er Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Vor allem Viscontis legendäre Verfilmung der Thomas-Mann-Novelle „Tod in Venedig” mit dem Adagietto aus Mahlers 5. Symphonie trug dazu bei. Mahlers Symphonien bilden den Abschluss der klassisch-romantischen Symphonietradition des 19. Jahrhunderts, doch fügt sich Mahlers Musik nicht ­nahtlos in diese Tradition ein. Sie ist eine Musik der ­stilistischen Brüche und Widersprüche: menschlich anrührende Klänge wechseln sich ab mit martialischen, ja vulgär anmutenden Themen. Sie spiegeln die zerissene Welt des Fin de ­siècle um 1900: eine Welt, die auf Grund der ­industriellen Revolution von einem unerschütterlichen Fortschrittsglauben, aber auch von großem so­zialem Elend geprägt war. Mahlers Symphonien sind Abbilder dieser Welt, sie spiegeln Mahlers Weltanschauung. Seine Musik nimmt wehmütig Abschied von der „guten alten Zeit” und leitet mit überwältigenden Klängen die musikalische Moderne des 20. Jahrhunderts ein.

 

Rückblick auf die Vortragsreihe

im Wintersemester 2018

 

Kein Komponist ist näher an Gott als Schubert.

(Artur Schnabel)

 

Franz Schubert

und die musikalische Romantik

Lieder sang ich nun lange, lange Jahre.

Wollte ich Liebe singen, ward sie mir zum Schmerz.

Wollte  ich wieder Schmerz nur singen,

ward er mir zur Liebe.

So zertheilte mich die Liebe und der Schmerz.

 

Franz Schubert (1797 - 1828) war der erste bedeutende Komponist der Romantik. 1822 schrieb er unter dem Titel „Mein Traum“ eine autobiographische  Erzählung, aus der das vorstehende Zitat stammt. Es deutet an, wie sehr sich in Schuberts Musik die Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit und seine seelische Zerrissenheit niederschlagen, vor allem in seinen Liedern und in seinen späten Instrumentalwerken. Schubert lebte in Wien, umgeben von einem kleinen Freundeskreis, im Schatten Beethovens. Seine Genialität wurde erst nach seinem tragisch frühen Tod erkannt. Das Unverwechselbare an Schuberts Musik ist ihr gebrochener Klangcharakter, ihr ambivalenter „Ton“, der zwischen Melancholie und Glück, zwischen volkstümlicher Ländler-Seligkeit und Todesangst changiert.

BEETHOVEN

Rückblick auf die Vortragsreihe

im Wintersemester 2017

 

Ludwig van Beethoven

 

Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen

 

„Für solche Schweine spiele ich nicht!“ rief der junge Beethoven einmal seinem adligen Publikum zu, als dieses während eines seiner Klaviervorträge Karten spielte. Beethoven war der erste „moderne“ Komponist des bürgerlichen Zeitalters nach der französischen Revolution. Für ihn war es undenkbar, höfische Unterhaltungsmusik zu spielen oder zu komponieren. Beethoven schuf  Musikwerke, die seine von hohem Ethos geprägte Weltanschauung zum Ausdruck brachten. Eine Weltanschauung, die vom Glauben an eine gerechte Welt und den Idealen der Menschlichkeit durchdrungen ist. Beethoven wollte mit seiner Musik die Welt verändern. Die Entwicklung der klassischen Musik hat er entscheidend verändert.